Ambient Assisted Living: Intelligenter Leben mit Assistenzsystemen

Ambient Assisted Living – Definition

Ambient Assisted Living (AAL), dt. “umgebungsunterstütztes Leben”, beschreibt den Einsatz neuer Technologien, die das Leben älterer oder benachteiligter Menschen unterstützen. Das kann in allen Lebensabschnitten passieren. AAL können Konzepte, Produkte oder Dienstleistungen sein. Obwohl Ambient Assisted Living (fälschlicherweise) mit älteren Menschen in Verbindung gebracht wird, versteht man doch darunter intelligente, die Umgebung unterstützende Technik, die einer breiten, heterogenen Masse zugutekommen kann.

Andere Definitionen übersetzen AAL auch mit “altersgerechte Assistenzsysteme”. Diese Übersetzung geht aber nicht weit genug und ignoriert das Potential von AAL Technologien. Sieht man jedoch das Potential dieser Technik im Hinblick auf die Herausforderungen eine deutschen, alternden Gesellschaft, so wird klar, warum diese Begriffsprägung in diesem Kontext Sinn macht. Hierbei soll sich die Technik unaufdringlich in das Lebensumfeld oder Wohnumfeld integrieren, um sowohl direkt Bedürftige, als auch pflegende Familienmitglieder, Ärzte und Pflegepersonal zu unterstützen. Trotzdem bleibt die Gruppe der Anwender solcher Technik heterogen.

AAL – Interaktion von Mensch und Technik – für wen ist das überhaupt interessant?

Wie schon erwähnt, geht es um den Menschen und seine Umwelt. Interessant sind unterstützende Technologien für alle, die nur eingeschränkt mit ihrer Umwelt kommunizieren oder interagieren können.

Oberstes Ziel von Ambient Assisted Living ist es, jedem Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit zu ermöglichen, zu erhalten und vor allem die Unabhängigkeit zu verlängern. Gerade in diesem Punkt fühlen sich ältere Menschen angesprochen, denn sie wollen so lange wie möglich in ihrem bekannten Umfeld (meist die eigene Wohnung) bleiben. So werden auch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn AAL-Systeme werden zukünftig den großen Herausforderungen des deutschen Gesundheits- und Pflegewesens erfolgreich begegnen, beispielsweise der Knappheit an Pflegepersonal und Pflegeheimen, die durch den demographischen Wandel in Deutschland nur noch potenziert wird.
Die Mensch-Technik-Interaktion wird in gleichem Maße auch Menschen mit Behinderung zugutekommen.

Warum AAL für uns als Gesellschaft wichtig ist

Ambient Assisted Living (AAL) gewinnt zunehmend an Bedeutung. Nicht nur weil Assistenzsysteme uns oder Betroffenen das Leben erleichtern können, sondern auch aus folgendem Grund: zukünftige Herausforderungen im Alten- und Pflegebereich brauchen zeitgemäßere Unterbringung, nicht zuletzt weil Heimplätze immer knapper werden. Zudem bedarf es modernerer Betreuungskonzepte, um steigende Kosten zu minimieren. Dies ist für das gesamte Gesundheitswesen in Deutschland von oberster Priorität.

Da wir uns hier auf Neuland befinden, ist der tatsächliche Mehrwert von AAL noch nicht quantifizierbar. Aus diesem Grund wurden in den letzten Jahren Projekte auf deutschland- und EU-weiter Ebene ins Leben gerufen, um den Einsatz von AAL-Systemen und deren Nutzen zu prüfen.

AAL Projekte

Es gibt unzählige AAL Projekte, die die Möglichkeiten von AAL Technologien beleuchten und sich mit den theoretischen und praktischen Fragen beschäftigen. Im folgenden stellen wir euch zunächst zwei Initiativen vor, die von der EU, beziehungsweise der Bundesrepublik Deutschland gefördert werden. Auch beschreiben wir einige der von den Initiativen geförderten Projekte. Bei Interesse findet Ihr unter AAL Projekte weitere Informationen zu den unzähligen Forschungsprojekten.

Das Fraunhofer Institut in Kaiserslautern zum Beispiel hat 2008 immense Anstrengungen unternommen, dem demographischen Wandel mit Technologien und Ambient Intelligence (AMI) entgegenzutreten:

Technik zum Menschen bringen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert diverse Forschungsinitiativen von Universitäten, Fraunhofer Institut und kommerziellen Trägern. Eine Übersicht aller laufenden Projekte findet Ihr auf der Homepage Technik zum Menschen bringen. Oft sind das noch Luftschlösser die erst langsam auf dem Weg sind praktisch umgesetzt werden zu können oder bei denen oft noch kritische Fragen beantwortet werden können. Allerdings sind einige Projekte bereits auch soweit fortgeschritten, dass deren Umsetzung bereits bald für uns alle zum Alltag gehören wird.

Im Projekt KOMPASS wird ein virtueller Assistent entwickelt, welcher Menschen mit kognitiven Einschränkungen im Alltag zu Hause begleiten soll. Das heißt, es wird ein computergenerierter Avatar entwickelt mit welchem der Mensch interagieren kann, um den Tagesablauf zu strukturieren, sich an Termine erinnern zu lassen oder Termine zu organisieren und vieles mehr. Vorstellen kann man sich das wie eine ganz persönliche Sekretärin mit der man ständig wie bei einer Videokonferenz in Kontakt steht. So kann die Sekretärin Termine organisieren und an die Einhaltung erinnern oder auf Fragen Rat geben. Das geht in die Richtung einer künstlichen Intelligenz die sich nach und nach an die individuellen Bedürfnisse anpasst. Derartige Assistenten bieten neben dem reinen praktischen Nutzen auch die Hoffnung, dass die Interaktion und verbale Kommunikation ein eventuelles Gefühl von Einsamkeit lindern kann.

Ein weiteres Beispiel ist PAUL (Persönlicher Assistent für unterstütztes Leben). In diesem universitär begleiteten Forschungsprojekt wurden 20 Wohnungen in Kaiserslautern mit AAL-Technik ausgestattet. Begleitet wurde dieses Projekt seit seinem Start in 2006 von der TU Kaiserslautern. Nach mehreren Auszeichnungen wurde das Projekt 2013 beendet. PAUL ist weiterhin im Einsatz, nachdem sich die TU Kaiserslautern aus der Forschung zurückzog. Die am Projekt beteiligten Bauträger statten weiterhin Wohnungen mit AAL-Technik aus und Paul wird nun auf dem Markt von der Firma CIBEK vertrieben.

Ambient Assisted Living Joint Programme

Auch die EU unterstützt die Forschung und Produktentwicklung von Ambient Assisted Living mit ihrem Ambient Assisted Living Joint Programme (AAL JP). Ursprünglich wurden dafür in einem Pilotprojekt von 2008 bis 2013 finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Aufgrund des großen Erfolges und der hohen Akzeptanz wurde das Projekt nochmal von 2014 bis 2020 verlängert und erweitert. Besonders an dem EU Programm ist, dass das Kernkonzept eine Kooperation der Länder, Wissensträger, kleinen und mittelständischen Unternehmen und nicht zuletzt auch der Bürger bzw. Nutzer vorsieht.

Hier ging zum Beispiel aus dem Projekt HELP das unternehmen Sense4Care hervor. Sense4Care entwickelt nun ein markttaugliches Produkt zur Bekämpfung der Symptome von Parkinsons. Ein Sensor soll in der Lage sein bei Betroffenen automatisch Anfälle zu erkennen und die Betroffenen bzw. sofern notwendige Pflegekräfte alarmieren. Weiterhin sollen die so erhobenen Daten bei der Einhaltung und Erstellung des optimalen Medikationsplanes helfen.

Das Projekt HOMEdotOLD beschäftigt sich mit dem Problem der Vereinsamung älterer Menschen. Dieses Problem wird sich mit dem demographischen Wandel der Gesellschaft verschlimmern. Durch die Einschränkungen der Mobilität im Alter verlieren sich oft soziale Kontakte. Traurigkeit, Einsamkeit und Depressionen können Folgen sein. Bei HOMEdotOLD beschäftigt man sich daher mit der Frage, wie die Möglichkeiten von sozialen Netzwerken und modernen Kommunikationstechnologien an ältere Menschen herangeführt werden können beziehungsweise wie die Menschen an die Technik herangeführt werden können. So ist es bereits heute ohne großen Kostenaufwand möglich, Videokonferenzen über jede Entfernung hinweg durchzuführen. Ältere oder in Ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen könnten dieses Medium nutzen, um soziale Kontakte zu pflegen und umfangreicher am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Videotelefonie kann so zum Beispiel das Gefühl eines gemeinsamen Abendessens mit Freunden oder Familie vermitteln, da sie mündliche und visuelle Kommunikation ermöglicht ohne mit einer Hand an das Telefon gebunden zu sein. Per Livevideo bietet sich so den Nutzern ein wahres Fenster in die Wohnung und das Leben der anderen.

AAL Produkte und AAL Systeme

Es gibt eine große Palette an Produkten, die bereits heute käuflich zu erwerben sind und keine reinen Prototypen oder Experimente mehr sind. Zwar wird nicht jedes System speziell als AAL Technologie beworben, jedoch ist das oft nur eine Frage der Anwendung im richtigen Kontext.

Doch wie steht es mit der Akzeptanz der Bürger? Denn ein Roboter wird Liebe und Geborgenheit innerhalb der Familie nie ersetzen können. Welche Produkte gibt es schon auf dem Markt? Können diese einfach bedient werden? Sie müssen auf jeden Fall nutzerzentriert sein, so dass nicht die Produkte im Mittelpunkt stehen, sondern die Bedürfnisse des Menschen.

Ambient Assisted Living Systeme und Technologien sollten vernetzbar aufgebaut sein. Sie sollten ein pseudointelligentes Verhalten aufweisen, um Informationen in ihrem Kontext zu teilen. Es geht also in die Richtung “Smart Home” und “Home Automation”, auf deutsch Heimautomation. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Produkte zu vergleichen, die für Ambient Assisted Living in Frage kommen könnten. Hier geht’s weiter!